Entdecke die Faszination des Journalings
Ein Buch. Ein Stift. Und eine alte Faszination
Ich hatte schon immer eine besondere Beziehung zu Papier – und vor allem zu Notizbüchern. Als Kind und junge Frau konnte ich das nicht einordnen. Ich liebte diese Bücher, aber ich habe mich kaum getraut, sie zu benutzen. Sie waren so schön, so perfekt, dass ich das Gefühl hatte, ich könnte sie nur verschlechtern. Also blieben viele davon unberührt, wie kleine Schätze, die man nicht anrührt, um sie nicht zu beschädigen.
Trotzdem habe ich immer wieder punktuell Tagebuch geschrieben – vor allem auf Reisen. Schon in den 1990er‑Jahren habe ich Texte mit Fotos und kleinen Fundstücken kombiniert, lange bevor der Begriff Travel Journal überhaupt bekannt war. Rückblickend war das mein erster intuitiver Zugang zu dem, was ich heute Journaling nenne.
Die Entdeckung des Bullet Journals
Vor einigen Jahren bin ich auf Ryder Carrolls Bullet Journal gestoßen. Dieses System hat mir geholfen, meinen Alltag und meinen Job zu sortieren – und vor allem, mein Leben aus einer neuen Perspektive zu betrachten. Es war klar, funktional, puristisch. Genau das, was ich damals brauchte.
Und dann kam Social Media.
Plötzlich sah ich überall perfekt gestaltete Bullet‑Journal‑Seiten, kunstvolle Layouts, dekorierte Monatsübersichten. Und ich bin in die Falle getappt. Statt Carrolls durchdachtes, minimalistisches System zu nutzen, habe ich angefangen, meine Seiten zu dekorieren, vorzubereiten, zu perfektionieren. Das Wesentliche ging verloren.
Irgendwann hat mich dieser kreative Druck so sehr gestresst, dass ich das Bullet Journal ganz aufgegeben habe und wieder zu einem analogen Kalender zurückgekehrt bin.
Mein Kalender – schon immer mehr als ein Kalender
Mein Kalender war und ist nie nur ein Ort für Termine. Er war immer auch Tagebuch, Erinnerungsalbum, To‑do‑Liste, Einkaufszettel und Sammelstelle für Eintrittskarten, Fotos und kleine Momente. Er war ein lebendiger Begleiter.
Zurück zu den Wurzeln: Purismus im Bullet Journal
Durch eine Freundin bin ich vor einigen Monaten wieder zum ursprünglichen Bullet Journal zurückgekehrt – in seiner puristischen Form. Und ich liebe es.
Index, Future Log, Monthly Log und Daily Log begleiten mich wieder durch meinen Alltag. Sie geben mir Struktur, ohne mich einzuengen.
Und das Schönste: Ein Notizbuch bietet unzählige Möglichkeiten zur Individualisierung. Ich kann jederzeit andere Journaling‑Techniken integrieren, ohne ein neues Buch anfangen zu müssen.
So finden sich in meinem aktuellen Journal klassische Bullet‑Journal‑Elemente, Listen zu Themen, die mich beschäftigen, Bereiche für Ziele wie Bewegung und Ernährung, Prompts, die ich beantworte, dokumentierte Erlebnisse, eingeklebte Erinnerungen und kleine Skizzen. Es ist ein Alltagsjournal – und gleichzeitig ein Spiegel meines Lebens.
Die anderen Bücher meines Lebens
Natürlich habe ich nicht nur dieses eine Journal.
Ich habe Skizzenbücher, Art Journals in allen Formen und Farben und Travel Journals, die überquellen vor Fotos, Tickets, Landkarten und Fundstücken. Sie alle sind analog. Und sie alle sind für mich wertvoller als jede digitale Notiz.
Warum analog? Erlebe die Kraft der Handschrift.
Die Wissenschaft bestätigt, was ich seit Jahren spüre: Handschriftliche Einträge wirken intensiver als alles, was wir tippen oder diktieren.
Es ist wie beim Urban Sketching: Eine Szene, die ich skizziert habe, bleibt mir viel präsenter als eine, von der ich nur Fotos gemacht habe.
Schreiben ist Verkörperung.
Skizzieren ist Verweilen.
Papier ist ein Resonanzraum.
Wenn du deine Handschrift nicht magst
Viele Menschen scheuen den Stift, weil sie ihre Handschrift nicht schön finden. Aber Übung macht flüssiger. Material macht einen Unterschied. Papier macht einen Unterschied. Und Perfektion ist völlig irrelevant.
Probier aus, was dir liegt: Kugelschreiber, Fineliner, Füller. Vielleicht brauchst du ein anderes Papier oder eine andere Lineatur. Mein Favorit sind Dotted Journals – Orientierung ohne Einengung.
Warum ich diesen Beitrag schreibe
Weil ich in den nächsten Wochen meine Faszination für Journaling mit euch teilen möchte.
Weil ich glaube, dass ein Notizbuch unser Leben verändern kann.
Und weil ich euch Impulse geben möchte, die euren Alltag schöner, bewusster und lebendiger machen.
Ein Buch. Ein Stift. Und ein kleines Stück Zeit – eine Zeitinsel. Mehr braucht es nicht.